HomeRatingsNewsErgebnisse & MaterialienPublikationenMedienmitteilungenBlogÜber unsKontaktKursangebotLinks

Allgemein:

Home

Mitgliedschaft

English

Français

Wie sich AidRating finanziert

Verwandte Websites



ZEWO-Stellungnahme vom 19.03.2010 auf den Artikel in der Weltwoche vom 18.03.2010 und unsere Antworten darauf:

Weltwoche: Was halten Sie vom Transparenz-Bericht AidRaiting von IDEAS?

ZEWO: Nichts. Der methodische Ansatz, der sich auf die Analyse vereinzelter Kommunikationskanäle einiger NGO konzentriert ist mangelhaft und zu wenig breit abgestützt. Die Schlussfolgerungen sind falsch oder nicht nachvollziehbar. Der Bericht ist wirr formuliert und es ist unklar, was die Initianten damit überhaupt bezwecken.

IDEAS: Die ZEWO hat die Studie gar nicht gelesen. Das können wir belegen. Aber sie hat verstanden, dass da etwas Neues gekommen ist, das ihre Alleinvertretung in Frage stellt. Also machen sie es schlecht.
Methodik und Ziele sind klar beschrieben und im Internet zu finden. Benutzt haben wir alle Quellen, die öffentlich zugänglich sind. Nachgefragt haben wir ebenfalls bei allen, schriftlich wie mündlich.


Weltwoche: Ich habe einen anderen Eindruck: Ideas will die Transparenz von Hilfswerken prüfen. Die Aussagen sind ziemlich klar... Können Sie mir ausführen, wie Sie zu Ihrem Schluss kommen?

ZEWO: Ich glaube nicht, dass Ideas die Transparenz von Hilfswerken prüfen will. Wollte sie dies tun, könnte sie ihre Dienste einfach anbieten. Wer immer sich dafür interessierte, würde ihre Leistungen nachfragen. Dazu braucht es keine Ranglisten, keine Verschwörungstheorien und keine abstrusen Behauptungen über andere Organisationen. Es scheint also um etwas anderes zu gehen. Statt die Transparenz zu fördern bewirkt Ideas mit ihrem unzulänglichen Ansatz aber eher das Gegenteil. Leider ist Ideas aber in keiner Art und Weise bereit, den Grund für ihr Scheitern bei sich selber zu suchen.

IDEAS: Sieh an, jetzt hat uns die ZEWO erwischt! Hier unser Geheimplan: Mehr darüber wissen, was die Schweizer Hilfswerke tun, und wo die Schwerpunkte liegen! Ziemlich fies, nicht wahr?
Aber im Ernst: Wer redet von Scheitern? Ein Prozess ist angestossen, er ist in vollem Gang.

ZEWO: In den Unterlagen wimmelt es von absurden Aussagen wie zum Beispiel, dass sich die Transparenz von Hilfswerken seit mehr als 30 Jahren nicht verändert habe - trotz der Einführung von Swiss GAAP FER. Oder dass es keine Studien zur Fundraising Effizienz gäbe. Dass zwei zertifizierte Organisationen den Anforderungen von Swiss GAAP FER nicht entsprächen - obwohl ihre Revisionsfirmen dies bestätigen - und dass die Zewo heute im Wesentlichen dasselbe tue wie vor 75 Jahren. Das kann wohl niemand ernsthaft behaupten.

IDEAS: Dann kann die ZEWO ja gern aufzählen, was es an wesentlichen Änderungen gegeben hat. Zur Fundraising-Effizienz gibt es in der neuen Studie ein ganzes Kapitel. Es basiert auf Grundlagen, die die ZEWO selber für gut befindet, aber nicht anwendet.

Weltwoche: Im Bericht von AidRaiting wird festgestellt, zwischen den grossen Hilfswerken, der Zewo und der Deza bestehe eine Art Kartell der Entwicklungszusammenarbeit. Was sagen Sie dazu?

ZEWO: Die DEZA und die ZEWO sind zwei von einander unabhängige Organisationen. Die DEZA ist in den Organen der ZEWO nicht vertreten und hat keinen Einfluss auf die Entscheide der ZEWO. Die ZEWO hat auch keinen Einfluss auf Entscheide der DEZA. In einzelnen Fragen, an denen beide Institutionen interessiert sind, wie zum Beispiel bei der Analyse der Kostenstruktur oder bei der Wirkungsmessung gibt es projektbezogene Zusammenarbeit. Wie andere öffentliche Geldgeber oder private Vergabeorganisationen versuchen wir selbstverständlich auch die DEZA davon zu überzeugen, dass sie an einem starken ZEWO-Gütesiegel interessiert sein sollte und darauf achten sollte.

IDEAS: Da hört die DEZA wohl zu bereitwillig hin. Die ZEWO agiert, als hätte es nie Millenniumsziele gegeben.

ZEWO: Mit der Umwandlung vom Verein eine Stiftung im Jahr 2001 ist die ZEWO von ihren Mitgliedern unabhängig geworden. Es ist statutarisch festgehalten, dass im Stiftungsrat der ZEWO nebst unabhängigen Personen auch wichtige Interessengruppen wie z.B. der Konsumentenschutz oder Spenden sammelnde Organisationen vertreten sein sollen. Die Zusammensetzung soll ausgewogen sein und es dürfen nicht einzelne Interessen überhand nehmen. Faktisch bedeutet dies, dass Hilfswerke nur in einer Minderheit im Stiftungsrat der ZEWO vertreten sein dürfen. Zur Sicherstellung des Praxisbezugs und des Know-hows ist der Einbezug von Hilfswerken aus verschiedenen Sektoren wichtig.

IDEAS: Die Unabhängigkeit halten wir aus zwei wesentlichen Gründen für problematisch: Erstens wegen der faktischen Monolpstellung, die das ZEWO-Siegel als Bedingung bei DEZA, Glückskette, den Kantonen, und teilweise bei anderen Gebern, geniesst, und zweitens wegen der inzwischen massiven Geldflüsse (v.a. DEZA, Glückskette), die wesentlich damit gerechtfertigt werden.


Weltwoche: Sind personelle Verflechtungen zwischen den (durch Zewo geprüften und durch das Deza unterstützen) Hilfswerken, der Zewo, der Deza sowie allfälligen Prüfinstanzen ausgeschlossen?

ZEWO: Ja. Die klare Mehrheit des ZEWO- Stiftungsrates sind von Hilfswerken unabhängige Personen. Es ist auch statutarisch festgehalten, dass die Interessen von Spenden sammelnden Organisationen im Stiftungsrat der ZEWO nicht überhand nehmen dürfen. Drei von neun Stiftungsräten repräsentieren Hilfswerke aus unterschiedlichen Sektoren (SRK, Pro Infirmis, Alliance Sud). Zwischen der ZEWO und der DEZA gibt es keine personellen Verflechtungen. Eine Vertretung der DEZA in den Organen der ZEWO wird auch nicht angestrebt. Die Revisionsstellen der Hilfswerke müssen von der Organisation, die sie revidieren, unabhängig sein.

IDEAS: Relevant sind hier andere Abhängigkeiten. Die sind beachtlich: Die ZEWO braucht die Honorare und Gebühren, die DEZA braucht stabile Geldflusskanäle, die Hilfswerke müssen ihre Strukturen weiterfinanzieren. Damit alles funktioniert, muss die ZEWO sich als unfehlbar geben. Es ist eine gegenseitige Abhängigkeit entstanden.

Weltwoche: Wie ist es zu erklären, dass IDEAS bei den Recherchen zum Rating auf soviel Verweigerung von Seiten der Hilfswerke gestossen ist?

ZEWO: Ich kann mir vorstellen, dass das mit dem mangelhaften methodischen Ansatz, dem als unzweckmässig erachteten Vorhaben, der gewählten Vorgehensweise und der Kommunikationsart zu tun hat.

IDEAS: Seltsame Vorstellung von Öffentlichkeit: Wer nicht die „richtigen“ Fragen stellt, soll keine Antwort bekommen?
Zur Erinnerung: Vor Veröffentlichung luden wir von Anfang an zu Stellungnahmen ein. Einwände wurden berücksichtigt. Zu Gesprächen luden wir immer wieder ein, ein paar waren bereit dazu. Zur Methodik bieten wir inzwischen sogar einen Kurs an!

Weltwoche: Wenn ich das richtig verstanden habe, hat Ideas zuerst die Informationen online bewertet, und dann versucht, mit direkten Fragen an die Hilfswerke zusätzliche Informationen zu bekommen (wobei nur 3 von 11 Hilfswerken überhaupt geantwortet haben). Ich meine, das ist der Weg, den jede private Person wählen würde, wenn Sie sich (als potentielle Spenderin) ein Bild über die Projekte eines Hilfswerks machen will. Warum sind Sie der Meinung, das sei ein mangelhafter Ansatz?

ZEWO: Dass Ideas bei der Informationsbeschaffung für die Wiederholung ihrer Studie nicht erfolgreich war, ist nicht weiter erstaunlich. Nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr, als irgendwelche Ranglisten über die Webseiten von Hilfswerken publiziert wurden, ist es verständlich, dass diese bei der Wiederholung der Befragung nicht mehr teilgenommen haben. Die Informationsbeschaffung von Ideas war ungeschickt und den Grund für ihren Misserfolg sollten sie primär bei sich selber suchen.

IDEAS: Da hat die ZEWO (neben falscher Darstellung der Ranglisten) etwas erheblich missverstanden. Unser Ansatz geht von dem aus, was die Öffentlichkeit ohne Vorbedingungen erfahren darf. Er entstammt der entwicklungspolitischen Diskussion um „Accountability“. Die Art der Reaktionen hat selber Informationswert. Sie illustriert den unvorteilhaften Sachverhalt, dass Transparenz noch immer nur gegenüber Auserwählten gilt.

ZEWO: Unabhängig davon ist der methodische Ansatz auch anderweitig zu kritisieren. Das Messen von Transparenz mit dem Ziel, Hilfswerke zu vergleichen ist ein anspruchsvolles Vorhaben. Um zu objektiven und fairen Aussagen zu gelangen, müssen die Informationsgrundlagen einheitlich, die Daten verlässlich, die Beurteilungskriterien relevant, und deren Bewertung und Gewichtung frei von Willkür sein. Die Auswertung von Internetpublikationen und nicht standardisierten Projektberichten genügen diesen Anforderungen nicht. Die Zahl der beschriebenen Projekte ist nur eines von vielen Kriterien, das zur Transparenz beitragen kann. Es darf nicht überbewertet werden. Die Beurteilung der inhaltlichen Aussagekraft durch Ideas ist subjektiv. Bevor man beispielsweise Aussagen zu Kosten oder zur Wirkung beurteilen kann, muss man wissen, wie diese berechnet und gemessen werden sollten, damit die Ergebnisse aussagekräftig sind. Dazu hat sich Ideas bisher keine fundierten Gedanken gemacht. Kurz: Ideas ist mit ihrer Studie an den zu hohen Ansprüchen, die sie an sich selbst gestellt hat, gescheitert.

IDEAS: Zusammenfassend kann man sagen: Die ZEWO behauptet etwas, ohne es belegen zu können. Wer nachsieht, findet Methodik und Auswertung weit ausgefeilter vor. Ein Prozess ist in Gang gekommen. Die neu beobachteten Fortschritte zeigen, dass wir Wirkung haben.

Weltwoche: Was sagen Sie insbesondere zum Vorwurf, die Transparenz der grössten Hilfswerke sei mehrheitlich mangelhaft?

ZEWO: Soweit es die Organisationen mit ZEWO-Gütesiegel betrifft, ist der Vorwurf falsch. Sie legen nach standardisierten, anerkannten und bewährten Vorgaben Rechenschaft über ihre Tätigkeit und die Mittelverwendung ab. Ihre Buchführung und Rechnungslegung nach Swiss GAAP FER wird von fachlich befähigten und unabhängigen Revisoren geprüft. Darüber hinaus informieren sie ihre Spenderinnen und Spender regelmässig über die laufenden Aktivitäten. Die Vorstellungen von Ideas sind aus der Luft gegriffen und tragen kaum zur Verbesserung der Transparenz bei. Sie erhöhen höchstens den Aufwand für die Administration und das Marketing der Hilfswerke.

IDEAS: Wenn man den Blick ausschliesslich auf Rechnungslegung und Selbstdeklarationen richtet, kann alles gut aussehen, obwohl man sonst noch gar nichts weiss über die Tätigkeiten. Bei 60% Blindprojekten (Ziel, Tätigkeit und Ort unbekannt; Durchschnitt aller HW) ist es kühn, den Anspruch von Transparenz im Rechnungswesen auf die Tätigkeit in fernen Ländern auszudehnen.
Schade, dass die ZEWO nicht die Gelegenheit ergreift, ihre eigenen Kompetenzen zu ergänzen. Wir wären bereit, dazu Hand zu bieten, soweit die Unabhängigkeit gewährleistet bleibt.

EZA ist da besonders komplex, weil die Tätigkeiten im Ausland erfolgen, die ZEWO sich aber aufs Inland beschränkt. Wir machen übrigens keinen Vorwurf, sondern zeigen Messergebnisse.


Weltwoche: Gemäss AidRaiting prüft Zewo bei ihrer Zertifizierung lediglich Dokumente, nicht aber Fakten (vor Ort). Ist das zweckmässig?

ZEWO: Ähnlich wie bei einer Due Dilligence prüft die ZEWO bei den Erst- und Rezertifizierungen die Fakten anhand der relevanten Dokumente. Nebst den öffentlich zugänglichen Publikationen werden also internen Unterlagen der Organisationen wie Verträge, Protokolle, Reglemente, Berichte, Bewilligungen geprüft. Zudem analysiert die ZEWO die Kostenstruktur der Hilfswerke nach einer breit abgestützten, transparenten und standardisierten Methodik. Es wird auch geprüft, wie die Organisationen die interne und externe Kontrolle ihrer Aktivitäten und Mittelflüsse organisiert haben und ob diese angemessen ist. Bei jeder Prüfung wird die Organisation besucht und befragt. Eine Monitoring Organisation muss sich vergewissern, dass adäquate und funktionierende Kontrollsysteme vorhanden sind und nicht selber vereinzelte Projekte evaluieren. Dies entspricht im übrigen auch dem Ansatz im neuen Revisionsgesetz und ZEWO ähnlichen Organisationen in anderen Ländern. Das Vorgehen ist zweckmässig.

IDEAS: Da wird von vielem geredet, dabei ist die Antwort einfach: Die Fakten vor Ort werden nicht geprüft, schon gar nicht etwa Wirkung oder Nachhaltigkeit. Die ganze internationale Diskussion um "Aid Effectiveness", "Accountability", Millenniumziele usw. ist offenbar spurlos an der ZEWO vorübergegangen.

Weltwoche: AidRaiting stellt fest, dass Helvetas und Swissaid Vorschriften für das Zewo-Gütesiegel nicht einhalten, ohne dass dies Konsequenzen hätte Was sagen Sie dazu?

ZEWO: Das ist Unsinn. Swissaid und Helvetas erfüllen die Anforderungen der ZEWO. Wie alle andern Organisationen mit ZEWO-Gütesiegel werden die beiden Hilfswerke regelmässig auf die Einhaltung der Kriterien geprüft. Wird im Rahmen einer Überprüfung festgestellt, dass die Organisation in wesentlichen Punkten von den Vorgaben abweicht, erhält sie eine Auflage mit einer Frist innerhalb der sie die Auflage erfüllen muss. Die Umsetzung dieser Auflage wird wiederum kontrolliert. Wird eine Auflage auch nach Ablauf einer Nachfrist nicht erfüllt, wird dies mit dem Entzug des Gütesiegels sanktioniert.

IDEAS: Statt die Frage zu beantworten, beschreibt die ZEWO das bekannte Verfahren. Die Anforderung steht klar in ihrem Reglement. Andere Hilfswerke erfüllen sie genauso.
Als wir fragten, ob es denn nun Auflagen gebe, hiess es, darüber bekämen Dritte keine Auskunft. Man wird wohl erst mit den neuen Jahresberichten mehr erfahren.

IDEAS AidRating
Postfach
Archstrasse 2
8401 Winterthur

Tel 052 203 52 50